Ihrer Zeit voraus?

Was macht ein Filmstudio, das zwar eine Menge Geld für einen neuen Film hat, nur leider keine Ideen? Ganz einfach: Statt im Trailer nur einen Helikopter in die Luft fliegen zu lassen, jagt man eben einen ganzen Flugzeugträger in die Luft. So ist es bei Transformers 2 geschehen und hat dem Studio einen Kassenschlage beschert. Was macht allerdings ein Entwicklerstudio für Videospiele? Bei einem Egoshooter explodiert ja schon alles, was dem Spieler vor die Bazooka rennt und nicht bei 3 auf den Bäumen ist. (Da Flugzeugträger im Allgemeinen nicht auf Bäume klettern können, fliegen sie natürlich in die Luft, logisch, oder?).
Und wenn ein Spiel schon der sechste Teil einer nicht enden wollenden Reihe ist, dann muss man nicht unbedingt Journalist in Sachen Videospiele sein, um schon zu ahnen, dass da nur Schrott raus kommt. (Ausnahme sind dabei Spiele, die von japanischen Studios produziert werden. Diese schaffen es im Gegensatz zu den Amerikanern oder Europäern, dass ein Spiel, das Metal Gear Solid 4 heißt, deutlich mehr ist, als nur ein billiger Abklatsch der drei Vorgänger) Lange Rede, kurzer Sinn: Ob man nun Call of Duty 1 oder Call of Duty 5 spielt, macht abgesehen von der Grafik absolut keinen Unterschied. Und auch beim sechsten Teil war die Anzahl der Innovationen praktisch gleich null. Um nun doch Aufmerksamkeit zu erregen, ließen sich die Entwickler etwas “einfallen”: Am Anfang des Spiels spielt man als Geheimagent in einer russischen Terroristentruppe, die einen Anschlag auf einen Flughafen verüben. Und damit die eigene Tarnung nicht auffliegt, soll man nun beginnen, auf Zivilisten schießen. Einfach mal kräftig reinballern mit dem Maschinengewehr.
Für, alle, die keine “Killerspiele” spielen. Auch wenn gerne in Zeitungen behauptet wird, dass es in diesen Spielen nur darum gehe, so brutal wie möglich wehrlose Menschen abzuschlachten, so stimmt das nicht. Stopp! Seitdem Call of Duty 6 draußen ist, hat diese Aussage einen gewissen Gehalt an Wahrheit.

In den vergangenen Jahren stellten diverse Medien, die an sich ein höheres Niveau hatten als die BILD-Zeitung, vom  Fernsehmagazin “panorama” bis zur FAZ, Videospiele als geistlose und brutale Unterhaltung dar, die süchtig macht. Und als das Magazin gamestar Journalisten einlud, um ihnen Counter-Strike zu zeigen, kamen Rufe wie “Nun schießt doch endlich mal auf Zivilisten!”. Denn anscheinend gab es für die Journalisten nichts interessantes zu sehen. Zwei Teams, die Terroristen und die Anti-Terror-Einheit, schossen sich feucht-fröhlich über den Haufen; das Team der Terroristen verliert, die Terroristen überlegen sich eine neue Taktik, dann verlieren die Anti-Terror-Einheiten, dann …. blablablaba … ballerballerballer .. usw. Und äußerst ungünstig ist auch die Tatsache, dass in der Mehrzahl der Spielmodi von CounterStrike  gar keine Zivilisten vorkommen. Nur in einem Spielmodus kommen Zivilisten vor: Geiselbefreiung. Und auch dort dürfen weder Terroristen, noch die Guten auf die Geiseln schießen. Die Guten versuchen halt die Geiseln rauszuholen, ohne von den Terroristen erschossen zu werden. Noch Fragen? Und tote Geiseln nützen den Terroristen bekanntlich auch nichts, also gibts auch für sie heftige Punktabzüge, wenn sie auf Geiseln schießen. Und nachdem alles vorbei ist gehen beide Teams gemeinsam ein Bierchen trinken oder so. Ungefähr so bedenklich wie Kinder mit Wasserpistolen

Zurück zu Call of Duty 6: Wen würde dieses Spiel eigentlich interessieren? Wir Gamer sind doch eigentlich Leute, die sich vor allem für innovative Spiele wie “Assasins Creed” oder “Mirrors Edge” interessieren. Schlechte Spiele, wie eben CoD6 (Call of Duty 6) gibt es zwar, aber wenn man Leuten erlaubt, Spiele zu programmieren, kommt halt ab und zu  so etwas raus. Die c’t verpasste dem Spiel eine harsche Kritik und auch das MTV-Magazin “Game One” ließ kein gutes Haar an diesem Spiel. Allerdings erzielte CoD6 Rekordumsätze. Stolz verkündete der Hersteller Activision, innerhalb von 24 Stunden mehr als 4,7 Millionen Exemplare unters Volk gebracht zu haben. Eine Woche später sind insgesamt 8 Millionen Exemplare abgesetzt worden, Tendenz steigend. Irgendwo muss es ja Spinner geben, die es gekauft haben. Und in der Tat, auf 4player.de kracht es in der Community gewaltig. Da sind zum einen diejenigen, die wie ich solche “Stilmittel” ablehnen und diejenigen, die auf die USK schimpfen, die Activision mit einer Indizierung gedroht hat, sollte das Spiel ungeschnitten auf den deutschen Markt kommen. Nun, Activision hat die Szene ein wenig gekürzt, wobei meiner Meinung nach die Betonung auf “wenig” liegen sollte und die USK hat das durchgehen lassen (hätte ich nicht gemacht). Liebend gerne verweisen die Befürworter dieser Szene auf GTA. In diesem Spiel kann man auch auf wehrlose Zivilisten schießen.  Denen sollte man aber mal ganz klar sagen, was GTA von CoD6 unterscheidet: In CoD6 geht es wirklich darum, Zivilisten zu erschießen. Der Spieler soll es ausführen, damit seine Tarnung nich auffliegt. Es findet in dem Spiel keinerlei Diskussion über das Für und Wider eines solchen Handelns. Wenn man z.B. auf die Terroristenkollegen schießt und so theoretisch das Massaker verhindert bzw. stoppt, ist die Mission vorbei. Was ist das denn bitteschön für eine moralische Botschaft? In GTA kann man zwar auf Zivilisten schießen, aber es bringt einem rein gar nichts. Mal davon abgesehen, dass CoD6 ein Loblied auf Amerika singt, während GTA kräftig mit Gesellschaftskritik abgeschmeckt wurde. Nun, vielleicht liegt das ja auch daran, dass Rockstar, der Entwickler von GTA, in England sitzt und Activision in Amerika seine Spielchen entwickelt. Und ganz nebenbei: Es gibt zwar Szenen aus Filmen, die nicht indiziert wurden, die vielleicht brutaler sind als CoD6. Aber das ist für die USK nicht so interessant. Wenn Filme eine extrem schiefe Botschaft vermitteln, dann gibts von denen Ärger. Ein Beispiel ist da der “Blutige Pfad Gottes”. Man kann schon am Namen erahnen, dass hier keine Teletubbies durchs Bild hüpfen, aber besonders brutal ist der Film nicht. Allerdings verherrlicht er Selbstjustiz in einer Art und Weise, dass die USK der Meinung war, dass dies nicht mit unserem Rechtstaat vereinbar ist, in dem Gerichte entscheiden, wer bestraft wird und wer nicht. Und zum Tode wird sowie niemand verurteilt. Denn in diesem Film nehmen sich zwei Brüder heraus, einfach Menschen zu ermorden, die sie für Kriminelle halten. Nun sind es in dem Film auch tatsächlich Kriminelle, nur haben sie den beiden nichts getan. Und damit kann man das noch nicht einmal als persönliche Rache bezeichnen, was diese beiden durchziehen. Sie sind Mörder und werden glorifiziert. Das gibt eine Indizierung. Und Amokläufer am Flughafen, die zu Helden werden, bekommen da keine Sonderbehandlung. BASTA!

Wir Gamer haben gerne unsere Kritiker als rückwärts gewand bezeichnet, die einfach keine Ahnung von Videospielen haben. Doch die Tatsache, dass ein solch verwerfliches Spiel solche Erfolge hat, lässt nur den Schluss zu, dass sie ihrer Zeit einfach nur voraus waren, als sie Statements abgaben wie “je brutaler, umso besser. Das ist die Devise der Spieler” .

Zwar wird es auch weiterhin Spieler geben, die Wert auf gute Unterhaltung bei Videospielen legen, sei es durch eine anspruchsvolle Geschichte, die erzählt wird, tolles Design der Levels oder einfach neue Spielideen. Aber es sieht so aus, als ob sie in der Minderheit sind. EA hat nach den Erfolgsmeldungen von Activision übrigends angekündigt, mit der Entwicklung eines ähnlichen Spiels zu beginnen, man will ja was vom Kuchen abhaben.

2 Responses to “Ihrer Zeit voraus?”

  1. admin said:

    Nov 24, 09 at 00:06

    So, hier nochmal zwei Links zu dem Beitrag:
    Die entschärfte Fassung der Szene vom Flughafen:
    http://www.4players.de/4players.php/tvplayer/4PlayersTV/Alle/15118/45083/Call_of_Duty_Modern_Warfare_2/Flughafen_Spielszenen.html

    Und die Sendung von Game One:
    http://gameone.de/tv/114
    CoD6 wird dort erst im letzten Drittel behandelt. Außerdem wird das Spiel dort als “Modern Warfare 2″ bezeichnet, was aber im Prinzip das Gleiche ist.

  2. admin said:

    Nov 25, 09 at 00:10

    “Kleine” Anmerkung:
    Es ist eigentlich ziemlich absurd, nur aus Verkaufszahlen darauf schließen zu wollen, was tatsächlich gespielt wird.
    CounterStrike ist ja bekanntlich 1999 erschienen und ist bis zum heutigen Zeitpunkt sehr beliebt. Es gibt also auch Zocker, die seit Jahren kein Spiel gekauft haben, aber immer noch spielen.
    Wenn man jetzt, so wie ich es eben getan habe, aus Verkaufszahlen Rückschlüsse auf die Mehrheit der Spieler ziehe, ist das natürlich gegorener SChwachsinn hoch drei. Insofern ist auch die Gesamtaussage des Artikels, dass es mit dem Niveau der Gamerszene bergab geht, nicht nachprüfbar. (Jedenfalls nicht auf diese Weise)
    Und bis auf Weiteres gilt: “Glaube nur der Statistik, die du selbst gefälscht hast.”
    Hoffe, ihr hattet trotzdem “Spaß” ihn zu lesen. Aber wahrscheinlich hat ihn keiner gelesen XD


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